„Kunst ist das größte Reservoir des geformten Protests gegen das gesellschaftlich Unglück, der die Möglichkeiten des gesellschaftlichen Glücks durchschimmern läßt.“

Leo Löwenthal



„Also sollte man aufhören, von Kunst, wie das in gewissen philosphischen Ästhetikprogrammen der Fall ist, Utopien für eine ideale Gesellschaft zu erwarten, und statt dessen die in der Form durchschimmernden Möglichkeiten suchen und auch in den Scheiterhaufen das Arsenal für einen Neuanfang zu sehen. Dann wird man auch der Kunst keine politischen oder ideologischen Stellungnahmen oder gar Programme abfordern, sondern sich damit begnügen, daß sie wie alles menschliche Tun in irgendeiner Form im Ansatz und in der Entfaltung politisch und gesellschaftlich bedingt ist oder wirkt. Denn Kunst ist nicht die Welt und deren Wirklichkeit, sie ist noch nicht einmal, wie das 19. Jahrhundert oft glaubte, ein Abbild der Welt oder der Wirklichkeit, sondern sie ist - ohne „l‘ art pour l‘ art“ zu sein - für sich und macht sichtbar, was und wie wir denken. Das Entwerfen von „Weltbildern“ ist eine ihrer vornehmsten Aufgaben. Jedesmal, wenn Weltbilder einer Generation sich ändern, ist die Kunst aufgerufen, diese neuen Weltbilder in ihren Formen zu denken, ästhetisch einzuüben und sichtbar zu machen. Der Künstler malt, zeichnet und schafft, damit er und wir sehen, was er denkt.“

Klaus Richter